Boxerklub München e.V.

Landesgruppe Rheinland-Pfalz

 

 

 

Ute Fröhlich                                 

im Oktober 2011

 

 

 

Vom Absetzen der Welpen bis zur Abgabe

 

 

Ausarbeitung zur Bestätigung als Zuchtwart

 

 

 

Vom Absetzen der Welpen bis zur Abgabe

 

 

1.) Die Fütterung/Umstellung auf Trockenfutter

 

Im Alter von ca. 3 Wochen sollten die Welpen langsam an eigenständiges fressen und festes Futter gewöhnt werden.

 

 

Bis zu diesem Zeitraum war die Muttermilch die einzige Nahrungsquelle der Welpen.

Die Umstellung sollte sehr langsam erfolgen, damit sich der empfindliche Magen/Darm-Trakt ohne Probleme (z.B. Durchfall, Erbrechen, Verstopfung) an das neue Futter gewöhnen kann.

Zu Beginn der Umstellung auf feste Nahrung ist es ratsam, verdickte Welpenmilch (Milchaustauscher) oder Welpenbrei (z.B. „Starter“ von Royal Canin) zu geben. Da die Welpen bisher nur den Saugreflex an den Zitzen der Mutter kennen, somit selbst noch nicht richtig schlecken und schlabbern können, bzw. das kennen, sollte den Welpen vom Züchter unterstützend geholfen werden.

Am Besten eignet sich eine flache Schale, ein Unterteller oder ein sauberer, noch nicht benutzter Blumenuntersetzer.

Etwas Brei auf den Finger, jedem einzelnen Welpen an´s Mäulchen führen; beginnt der Welpe zu saugen/schlecken, den Finger langsam zu Schale/Unterteller führen. Die Welpen lernen sehr schnell und verstehen, wie sie an die neue, lecker Futterquelle kommen und diese aufnehmen können.

Große Achtsamkeit sollte in der kommenden Zeit auf den Kotabsatz, evtl. dicke Bäuche und das Gewicht gelegt werden. Dies ist eine sichere Aussage, wie die Welpen, die Futterumstellung/das neue Futter vertragen.

Nicht gefressenes Futter nie stehen lassen; evtl. der Mutterhündin geben, die sich mit Sicherheit darüber freuen wird.

Wenn die Welpen gelernt haben, den Brei selbständig zu schlabbern, kann nach einigen Tagen auf feste Nahrung (meist Trockenfutter) umgestellt werden. (alternativ können die Welpen gebarft, d.h. frisch/roh gefüttert werden)

Welches Futter das Geeignete ist, liegt im Ermessen des Züchters. Die Futterindustrie bietet eine Vielzahl von Welpenfutter an; jeder Züchter bevorzugt ein anderes Futter.

Zu Anfang sollte das Welpenfutter mit warmen Wasser übergossen und eingeweicht werden, bis es etwas aufgequollen ist.

Da der Welpe in dieser Zeit im Zahndurchbruch steht (2. - 3. Lebenswoche; das Milchgebiß besteht aus 28 Zähnen), ist es mit Sicherheit erst einmal angenehmer, weiches Futter zu bekommen.

Etwas von dem Welpenbrei unter zu mischen ist sicher auch ratsam, damit der Welpe, bzw. der empfindliche Magen-Darm-Trakt die Umstellung gut und ohne Probleme verträgt.

Nach endgültiger Umstellung auf Trockenfutter kann dieses auch trocken gegeben werden. Man kann nun auch vorsichtig andere „Leckereien“ untermischen, dazu bieten sich z.B. gedrückte Banane, geriebener Apfel, Quark, Hüttenkäse,..... an.

Auch Möhrensaft mit einem Schuß Oliven-Öl wird gerne genommen.

Das Futter sollte auf 4 Mahlzeiten pro Tag verteilt werden.

Zwischendurch können auch langsam kleine Knabbereien verabreicht werden.

Trockenpansen, Hundekekse, Büffelhaut-Stangen bieten einen abwechslungsreichen Zwischen-Snack.

Genauso gerne werden Äpfel und Bananen in kleinen Stückchen gerne genommen.

 

 

Futternäpfe sollten nach der Benutzung immer gut und sauber gereinigt werden. Hygiene steht an erster Stelle egal, ob in der Wurfbox, dem Wurfzimmer oder bei der Fütterung.

Es ist wichtig, immer frisches Trinkwasser bereit zu stellen!!!

Durch das Beifüttern der Welpen saugen sie nicht mehr so oft und viel bei der Mutterhündin; die Milch wird daher weniger und das Gesäuge kann sich langsam zurück bilden.

 

 

2.) Die Welt entdecken

 

Jetzt ist auch die Zeit, in der die Welpen die Körpertemperatur und den Stoffwechsel selbst regeln können.

Die Körpertemperatur liegt in der

3. – 4. Lebenswoche bei ca.

  • 36,1 – 37,8 ° C

nach der 4. Lebenswoche bei ca.

  • 38,3 – 38,8° C

 

Welpen sind zu Anfang „Nesthocker“, jedoch wird im Alter von ca. 3 Wochen die Neugier auf das Umfeld außerhalb der Wurfkiste immer größer.

Die Sinne sind mit ca 4 Wochen komplett ausgereift.

Sie werden neugieriger, schlafen weniger und fangen an, die Wurfkiste zu verlassen, um die weitere Umgebung zu entdecken und zu erkunden.

Jetzt ist es auch wichtig, der Mutterhündin eine Rückzugmöglichkeit zu bieten, an die die Welpen nicht kommen können (eine Couch, ein Sessel - bei meiner Hündin darf es auch gerne ihr geliebter Faltstuhl  sein)

 

 

Ein wichtiger Aspekt ist auch, daß die Welpen ihr (Schlaf)-Lager weitgehend nicht mehr beschmutzen möchten und „Geschäfte“ außerhalb verrichten.

 

Auf teils noch wackeligen Beinchen machen sie sich auf den Weg...

Zu Beginn der Entdeckungs-Tour ist es ratsam, den Welpen einen festen, rutschfesten Untergrund/Bodenbelag zu bieten. Es eignet sich ein altes Stück Teppich oder ausgelegte Decken oder Bettlaken direkt vor der Wurfkiste, damit die noch unsicheren Pfoten nicht wegrutschen können.

Später, wenn sie sicher laufen, können auch gerne glatte Untergründe gezeigt werden (Fliesen, Parkett)

Stromkabel und andere spitze, scharfe Gegenstände sind unbedingt zu entfernen, da sie eine große Gefahr für die neugierigen Welpen darstellen, die mit ihren kleinen spitzen Zähnchen nun allen beknabbern und erforschen wollen.

Um die Prägung der Welpen zu fördern, können verschiedene Spielsachen eingebracht werden. Es ist darauf zu achten, daß es sich um für Welpen geeignete Spielsachen handelt und keine Kleinteile enthält die abgeknabbert und verschluckt werden könnten.

Eine leere PET-Flaschen mit ein paar Steinchen darin (feste zugeschraubt) eignen sich z.b. auch ausgezeichnet. So lernen Welpen von Anfang an auch laute Geräusche kennen.

Staubsauger, Radio, Fernseher, die Spülmaschine – eben alle alltäglichen Geräusche sind sehr wichtig, um den Welpen  auf sein späteres Leben vorzubereiten und ihn Selbst- und Umweltsicher zu prägen.

Ein Welpe, der das alles nicht kennen gelernt hat, wird später auf all diese ungewohnten Geräusche ängstlich reagieren.

Alles Neue sollte den Welpen spielerisch, vorsichtig, ohne Streß gezeigt werden; nur so kann eine positive Verknüpfung erfolgen.

Das Spiel mit den Geschwistern wird derber. Sie beißen sich spielerisch, rangeln und jagen sich, kämpfen um Spielsachen; die Instinkte werden mehr und mehr geweckt und ausgeprägt.

 

 

Die Mutterhündin spielt ebenfalls mit ihren Welpen. Dies sieht für uns Menschen oft sehr grob aus; eine gute Mutterhündin weiß jedoch, wie sie ihre Welpen spielerisch erzieht und so auch beiträgt, die Welpen selbstbewußt zu machen.

 

 

Ab der 3. – 4. Lebenswoche dürfen auch die ersten Gäste/Welpeninteressenten zu Besuch kommen.

Das Immunsystem ist zwar noch nicht 100% ausgereift, aber wenn Besucher gesund sind (keine Erkältung, oder andere ansteckende Krankheiten haben), sich die Hände waschen, danach desinfizieren und saubere Kleidung tragen, steht dem ersten Kontakt mit den Welpen nichts im Wege.

Wenn das Wetter es zulässt, können die Welpen ab ca. der 4. Lebenswoche auch schon mal kurze Zeit in den Garten gesetzt werden (bitte nie ohne Aufsicht!!!).

 

 

Dazu ist es wichtig, daß der Garten gut gesichert ist, die Welpen nicht durch den Zaun ausbrechen oder sich anderweitig verletzen können.

Auf giftige Pflanzen ist unbedingt zu achten!!!!

Es sollte darauf geachtet werden, daß Welpen, die müde gespielt sind, sich nicht auf nassen oder kalten Untergründen legen, um zu schlafen.

Eine alte Wolldecke wird von den Welpen gerne als Schlafplatz im Freien angenommen. Man kann die Kleinen aber auch wieder in´s Haus in ihre gewohnte Umgebung (Wurfkiste) tragen.

Besonders wichtig ist es, bei Winterwürfen darauf zu achten, daß diese sich nicht verkühlen und sofort nach Spielende in das warme Haus gebracht werden.

Eine andere wichtige Aufgabe des Züchters ist ab der ca. 6 Woche auch, die Welpen an Halsband und Leine zu gewöhnen, mit ihnen Auto zu fahren und kleine Ausflüge zu unternehmen.

Das Kennenlernen von Umweltreizen, wie Auto´s, Menschen, fremde Gerüche,.... trägt maßgeblich zu einem gut geprägten Welpen bei.

 

 

3. Vorsorge

 

Die Entwurmung erfolgt ab der 2. Lebenswoche im Abstand von jeweils 2 Wochen. Das Mittel der Wahl ist bei jedem Züchter unterschiedlich und sollte evtl. mit dem Tierarzt besprochen werden, bzw. auf aus Erfahrung für gut befundene Entwurmungsmittel zurück gegriffen werden.

Erst nach Abnahme durch den zuständigen Zuchtwart dürfen die Welpen frühestens mit Vollendung der 8. Lebenswoche an ihre neuen Besitzer abgegeben werden.

Vor Abnahme durch den Zuchtwart muß die Impfung und das Chippen durch einen Tierarzt erfolgen.

 

Impfplan:

 

  • 8. Lebenswoche: Staupe, Parvovirose, Leptospirose, HCC*
  • 12. Lebenswoche: Staupe, Parvovirose, Leptospirose, HCC*, Tollwut
  • 16. Lebenswoche:  Tollwut

 

* Hepatitis Contagiosa Canis

 

Wiederholungs-Impfungen erfolgen mit einem Jahr.

 

 

4.) Abgabe der Welpen an ihre neuen Besitzer

 

Die Abgabe der Welpen an die neuen Besitzer darf frühestens mit Vollendung der 8. Lebenswoche erfolgen.

Es dürfen/sollten nur gesunde Welpen abgegeben werden.

Ratsam ist es, den Welpenkäufern ein kleines Startpaket mit auf den Weg zu geben.

Für einen Welpen, der aus seiner vertrauten, heilen Welt   „herausgerissen“ wird, ist es ein enormer psychischer Stress; alles ist neu und fremd.

Um dem Welpen eine kleine Starthilfe zu geben, ist es sinnvoll, wenn die neuen Besitzer bei einem vorherigen Besuch eine Decke, ein Handtuch oder ähnliches mitgebracht haben (sofern nicht, wie bei uns, vom Züchter gestellt), welche(s) man in die Wurfkiste legen kann, damit es den vertrauten Geruch der Mutter und der Geschwister annimmt. Dieses kann dann in den ersten Tagen im neuen Heim zusätzlich auf den Schlafplatz gelegt werden, damit der Welpe einen „heimischen Geruch“ hat.

Ein „Lunchpaket“ ist ebenfalls sinnvoll; die sollte (für die ersten Tage bei den neuen Besitzern) das gewohnte Futter enthalten, das der Welpe beim Züchter bekommen hat; ein paar gewohnte Knabbersachen erleichtern die evtl. aufkommende Trauer im neuen Heim auch immens.

Leine und Halsband gehören bei uns ebenso zur „Erstausstattung“, wie ein geliebtes und bekanntes Spielzeug aus der Wurfkiste.

Eine kleine schriftliche Einweisung (die die Neu-Besitzer von mir vorher auch schon mündlich bekommen haben) lege ich als „Denkstütze“ ebenfalls dazu.

Genauso wenig darf der Impfausweis mit der eingetragenen Erstimpfung + Chip-Nummer fehlen.

 

Schlußwort:

 

Diese Ausarbeitung wurde auf Grund meiner eigenen Erfahrungen geschrieben.

Es gibt sicher einige andere Wege, Welpen gesund und selbstbewußt aufzuziehen.

Ich bin mit diesem, meinen Weg immer sehr gut zurecht gekommen und werde diesen so beibehalten; mich aber sicher auch weiterhin mit vielen anderen Züchtern austauschen und Fortbildungen und Seminare besuchen, um mein Wissen immer mehr zu erweitern.

 

Ich wünsche allen Züchtern viel Erfolg und ein glückliches Händchen bei ihrer Zucht.

 

Ute Fröhlich

Boxer vom Henkersteg

 

Im Oktober 2011